Pin Mail AG – Adressdatenspeicherwut

Wie der Tagesspiegel heute berichtet, erfaßt und speichert die Pin Mail AG seit Jahren Adreßdaten. Bei der Sortierung der Briefe wird der Umschlag fotografiert und es werden Straße, Hausnummer und Postleitzahl der Empfänger ausgelesen. Die Namen der Empfänger werden nicht ausgelesen – versichert jedenfalls das Unternehmen.

Diese Daten werden gespeichert, da die Pin Mail AG sie nach eigenen Angaben für das Retourenmanagement, die Qualitätssicherung, das Reklamationsmanagement, die Rechnungslegung und fürs Servicecenter benötigt. Die erstellten Fotos werden drei Monate lang gespeichert, die digital daraus erfaßten Daten fünf Monate. Bei nachweispflichtigen Sendungen sogar ein Jahr lang. All diese Daten werden in einer zentralen Datenbank gespeichert, auf die selbst die für die Kundenakquise zuständigen Mitarbeiter Zugriff haben.

Nach den genannten Fristen haben die Mitarbeiter zwar keinen Zugriff mehr auf die Daten, sie werden aber auf einem Magnetband in einem Bankschließfach „als Ursprungsbeleg für Belange des Steuerrechts und der Wirtschaftprüfung“ vorgehalten. Das bedeutet, daß die Daten für bis zu zehn Jahre aufgehoben werden.

Sofern der Bericht des Tagesspiegel zutrifft, kann die Schlußfolgerung nur sein, daß der Pin Mail AG Datensparsamkeit und Datenschutz egal sind. Für einen Briefdienstleister, der in großem Umfang Briefe verschiedener Behörden und Gerichte zustellt, ist dies ein Totalversagen. Es werden Unmengen von Daten gespeichert und jahrelang vorgehalten, obwohl dies nicht notwendig ist. Diese Daten werden zur Sortierung der Briefe erzeugt und verarbeitet. Soweit, sogut. Und weil sie ja sowieso schon da sind, kann man damit auch noch viele andere schöne Dinge anstellen. Vorsorglich heben wir sie ein paar Jahre auf. Vielleicht fällt uns noch etwas ein, was man damit machen kann. Das ist ungeheuerlich. Auch die Tatsache, daß es wohl kein Rechtekonzept für den Zugriff auf die vorgehaltenen Daten gibt, zeugt von einem unverantwortlichen Umgang mit den Daten.

Dies zeigt wieder sehr schön, daß vorhandene Daten Begehrlichkeiten wecken. Aus Gründen der Datensparsamkeit sollte immer nur das, was wirklich notwendig ist gespeichert werden und auch nur solange, wie es wirklich notwendigt ist.

Deshalb brauchen wir starke und selbständige Bundes- und Landesbeauftragten für Datenschutz, die die Einhaltung der entsprechenden Gesetze sicherstellen und Verstöße wirksam sanktionieren können.

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