So long

Als ich bei den Piraten eingetreten bin, war ich voller Enthusiasmus. Ich wollte und durfte mich sofort aktiv einbringen, wurde überall mit offenen Armen empfangen. Wir wollten zusammenarbeiten und die Dinge verändern. Die Zeit bei den Piraten war für mich persönlich sehr bereichernd. Ich habe unglaublich tolle Menschen kennengelernt und durfte mit ihnen zusammenarbeiten.

Die Piraten haben einiges bewegt, allerdings haben sie ein zentrales Versprechen nicht einlösen können. Mich haben vor allem die neuen Ideen angesprochen, neue Möglichkeiten der Mitbestimmung. Die Piraten haben bewirkt, daß andere Parteien inzwischen ihre Mitglieder bei besonders wichtigen Fragen direkt befragt haben. Selber haben die Piraten es aber nicht geschafft, neue Modelle der innerparteilichen Mitbestimmung umzusetzen. Der BEO ist eine Farce.

Es ging den Piraten darum, mehr Transparenz in den Politikbetrieb zu bringen, z.B. bei der Parteienfinanzierung. Inzwischen gehen die Gedanken nicht dahin, wie man das System reformieren kann, sondern nur noch, wie die Piratenpartei selber von der Parteienfinanzierung am besten profitieren kann.

Leider hat die letzte Zeit auch gezeigt, daß eine Zusammenarbeit innerhalb der Piratenpartei nicht funktioniert. Vielen scheint es nur noch darum zu gehen, Menschen bei der Arbeit an Themen, die diesen wichtig sind, zu hindern, da es ja wichtigere Themen gäbe.

Besonders grotesk ist es, wenn Piraten sagen, daß das antifaschistische und asylrechtliche Engagement einiger Piraten eine Mitschuld an Pegida trüge. Gerade Pegida zeigt, daß ein derartiges Engagement absolut notwendig ist.

In der Partei hat sich keine Kommunikationskultur entwickelt, die es möglich macht, auch andere Positionen zu respektieren und zu Kompromissen zu finden. Wenn die eigene Meinung nicht durchgesetzt werden kann, wird alles kaputt gemacht. Pluralismus ist innerhalb einer Partei förderlich und notwendig. Gute Ideen kann man nur weiterentwickeln, wenn sie auch in Frage gestellt werden.

Es glauben zwar noch einige Menschen an die Piratenpartei, aber das kann ich nicht mehr. Deshalb bin ich heute aus der Piratenpartei ausgetreten. Anschließend habe ich meinen Mitgliedsantrag bei der LINKEN abgeschickt. Bei der LINKEN sehe ich Bewegung und Möglichkeiten. Unter solchen Voraussetzungen bringe ich mich gerne ein.

So long and thanks for all the fish.

15 Kommentare

      1. Bei der Gelegenheit kannst du mal der Katha sagen, dass sie doch bitte ihre Ämterkumulation beenden soll und auch nicht mehr als Stimmenfang zu Kommunalwahlen antreten soll.. Wenn sie keine MdL mehr ist und aufhört anderen Parteien den gleichen Stimmenfang vorzuwerfen, tja dann ist sie im Stadtrat gern gesehen 😉

        Und schaltet bei den AFDlern hier bitte auf Durchzug..

    1. Ich möchte EINMAL erleben, daß Rechte auch Rechtschreibung beherrschen.

      BTW: Die Piraten-Stasi ist nur in den LV Hessen gewechselt und nicht abgehauen (worden).

  1. Sorry, du warst anscheinend in der falschen Partei. Aber jeder macht mal Fehler 😉 Wir stehen auch weitern für Datenschutz, Bürgerrechte, Freiheit und Mitbestimmung.

  2. P.S. In.die SED passt Du auch deutlich besser! Kannst Du evtl. noch ein paar „Genossen“ aus meiner Stadt mitnehmen? Die fühlen sich auch sichtlich wohl in der Fraktion mit der SED. Gruß aus Dortmund

  3. Liebe Anisa,

    ich danke Dir sehr für alles, Du bist eine tolle Frau und ich beneide die Linke, weil sie engagierte Menschen bekommt..

    Ich selber bleibe bei den Piraten, noch habe ich die Hoffnung, dass sich eine Mehrheit überzeugen lassen kann, das echte Freiheit und Demokratie nur durch soziale Teilhabe aller möglich sein kann.

    Bis dann

  4. Vielleicht wäre vieles anders geworden, wenn man Freiwillige für unbedeutende Verwaltungsarbeit in der P9a nicht mit der Begründung, „du twitterst nicht vertrauensvoll“, abgelehnt hätte – stattdessen auch mal den Mut gehabt hätte, seinem eigenen Urteil mehr zu trauen als dem Geflüster von Kadern, die du heute schon nicht mehr kennst. Jetzt bist du ausgetreten, aber Schuld hat „die Partei“. Nicht einer, der ausgetreten ist, seien es Domscheid-Berg, Schramm, Lauer, Schlömer, Nerz oder eben auch du, hat mal selbstkritisch zurückgeblickt, was sie persönlich falsch gemacht haben könnten, was sie unterlassen haben könnten, sodass es nicht funktioniert. Nicht eine Zeile über persönliche Reue, nur Vorwürfe an den unbestimmten Mob, den die Partei in ihrer Übrigkeit ohne einen selbst als Mitglied bildet. Ich hoffe, diese Art der Selbstgerechtigkeit zahlt sich auch irgendwann mal aus. Herzlichen Glückwunsch!

    1. „Jetzt“ bin ich ausgetreten? Den Post habe ich bereits vor einiger Zeit geschrieben …
      Aha, vieles wäre anders geworden, wenn bestimmte andere Leute unbedeutende Verwaltungsarbeit übernommen hätten? Was hätte das denn bewirken sollen?
      Ich weiß nicht, worauf Du mit Deinen Andeutungen anspielen willst, aber ich habe meinem Urteil vertraut. Ich weiß auch nicht, welche Kader Du meinst. Allerdings habe ich die Menschen, die ich während meiner Zeit in der Piratenpartei kennengelernt habe, nicht vergessen. Ich habe dort einige wundervolle Menschen kennengelernt.
      Eine Partei wird von ihren Mitgliedern gebildet und auch verändert. Ich habe es nicht geschafft, die Partei in die Richtung zu beeinflussen, die mir wichtig ist. Die Punkte, in denen ich nicht mit der – von mir so wahrgenommenen – Mehrheit der Partei einer Meinung bin, habe ich in meinem Post angesprochen.

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